Rundführungen
Aufbau, Funktionsprinzip, Vorteile und Einsatz im Überblick
Rundführungen sind eine spezielle Form der Lineargleitführung im Maschinenbau. Sie führen Maschinenelemente reibungsarm und geradlinig entlang einer zylindrischen Welle – ohne empfindliche Wälzkörper und ohne aufwändige Schmierung. In Verbindung mit Gleitbuchsen aus ZEDEX® Hochleistungskunststoffen von DEINHAMMER entstehen robuste, nahezu wartungsfreie Linearführungen für anspruchsvolle Anwendungen im Maschinen- und Anlagenbau.
Hier möchten wir Ihnen einen Überblick über alle weiterführenden Informationsseiten zu den Rundführungen von DEINHAMMER geben.
Was sind Rundführungen

Deinhammer Rundführungen gehören zur Familie der Gleitführungen: Die Bewegung erfolgt als Gleitbewegung zwischen einer Führungsbuchse und einer Rundwelle, nicht über kugelgelagerte Wälzelemente. Dadurch kommen sie ohne permanente Nachschmierung aus und sind deutlich unempfindlicher gegenüber Schmutz, Staub und Feuchtigkeit als viele klassische Kugelbuchsen.
Typische Einsatzfälle sind verstellbare Achsen, Führungs- und Verstellelemente in automatisierten Anlagen, Handling- und Prüftechnik, Pressen oder Werkzeugmaschinen. Überall dort, wo eine saubere, verlässliche Linearbewegung bei minimalem Wartungsaufwand gefordert ist, bietet die Rundführung eine bewährte Alternative zu Profilschienen- oder Kugelumlaufführungen.
Rundführungen- Aufbau und Grundprinzip
Führungsbuchse

Weiters bieten wir Ihnen die Möglichkeit an, Edelstahl als Material-Rohstoff zu verwenden. Die Oberfläche kann zudem auch brüniert werden.
Gleitelemente der Rundführungen
DEINHAMMER Rundführungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie grundsätzlich mit Gleitelementen aus beliebigen Werkstoffen bestückt werden können. In der Standardausführung werden die Hochleistungskunststoffe ZX100K und ZX530 verwendet. Während ZX100K seine Stärken bei eher langsam laufenden Anwendungen mit Vibration und Stößen aufweist, wird ZX530 bei schnelleren Anwendungen, bei chemischer Belastung und bei höheren Temperaturen bis 250°C eingesetzt.Führungswellen
DEINHAMMER Rundführungen können auf sehr unterschiedlichen Führungswellen betrieben werden. Standardführungenwellen sind aus Stahl und haben eine Wellentoleranz von h9.Eine weitere häufige Ausführungsform sind Wellen, die je nach Anwendungsfall geschliffen, gehärtet oder hartverchromt. Diese Ausführungen haben eine Toleranz von h7.
Bei starker korrosiver Belastung können die Wellen auch aus Edelstahl ausgeführt werden.
Rundführungen
Für jede Anwendung die passende Rundführung
Werkstoffe und Ausführungen von Rundführungen
Die Leistungsfähigkeit der Rundführung wird maßgeblich durch die Gleitelemente bestimmt. DEINHAMMER setzt hier auf ZEDEX® Hochleistungskunststoffe der Firma WOLF, die je nach Einsatzbedingungen gezielt ausgewählt werden. ZX-100K ist der universelle Allround-Werkstoff mit sehr geringer Reibung und gutem Verschleißverhalten, besonders geeignet für langsamere Gleitbewegungen mit Stößen oder Vibrationen, beispielsweise in Verstelleinheiten. Der Werkstoff ist auch unter Wasser einsetzbar. ZX-530 ist ein Hochleistungswerkstoff mit PTFE-Keramik-Anteilen für Temperaturen von ungefähr –100 °C bis +240 °C. Er bietet eine exzellente Chemikalienbeständigkeit, sehr niedrige Reibung und hohe Formstabilität und eignet sich damit für höhere Gleitgeschwindigkeiten sowie aggressive Medien wie Reinigungsmittel oder Emulsionen.
Für Anwendungen mit höherer Druckbelastung steht ZX-410 als hochbelastbarer Gleitkunststoff zur Verfügung. Er bietet ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, erlaubt Dauer-Flächenpressungen im Bereich von etwa 50 N/mm² bei moderaten Geschwindigkeiten eingesetzt. Wenn extrem hohe Temperaturen und maximale Beständigkeit gefordert sind, kommt ZX-324V11T auf Basis von reinem PEEK zum Einsatz. Dieser Werkstoff ist dauerhaft bis etwa +250 °C einsetzbar, auch oberhalb von 200 °C sehr verschleißfest, weist eine hohe Steifigkeit und Schlagzähigkeit auf und überzeugt durch sehr gute Chemikalienbeständigkeit. Durch seine Duktilität lässt sich ZX-324V11T problemlos spanend bearbeiten, etwa beim Fräsen komplexer Geometrien.
Standardmäßig werden DEINHAMMER Rundführungen meist mit Gleitbuchsen aus ZX-100K oder ZX-530 geliefert, weil diese einen sehr breiten Anwendungsbereich abdecken. Für höhere Lasten oder besondere Umgebungsbedingungen können alternativ ZX-410 oder ZX-324V11T eingesetzt werden. Ergänzend stehen unterschiedliche Gehäusematerialien wie Aluminium, Stahl oder Edelstahl sowie verschiedene Oberflächenbehandlungen, etwa Brünierungen, zur Verfügung, um die Rundführung optimal an die jeweilige Maschine und Umgebung anzupassen.
Auswahl und Auslegung von Rundführungen
Damit Rundführungen ihre Stärken voll ausspielen, sollten bei der Auslegung einige zentrale Punkte berücksichtigt werden:
Belastung und Flächenpressung
Die zu erwartenden Kräfte (statisch und dynamisch) bestimmen die notwendige Tragfähigkeit der Gleitpaarung. Wichtiger Kennwert ist die zulässige Flächenpressung auf der Gleitfläche:
- ZX-100K / ZX-530: ca. 25 N/mm² Dauerdruck
- ZX-410: ca. 50 N/mm² Dauerdruck
- ZX-324V11T: ca. 40 N/mm² Dauerdruck
Entscheidend ist das Produkt aus Druck p und Gleitgeschwindigkeit v (pv-Wert). Wird der materialspezifische Grenzwert überschritten, steigen Reibungswärme und Verschleiß stark an. In der Praxis bedeutet das: Hohe Lasten erfordern niedrigere Geschwindigkeiten – oder einen belastbareren Gleitwerkstoff.
Hub und Geschwindigkeit
Der maximal nutzbare Hub ist im Wesentlichen nur durch die Wellenlänge begrenzt. Bei hohen Geschwindigkeiten und häufigen Zyklen sollte ein Werkstoff mit minimaler Reibung und hoher Abriebfestigkeit gewählt werden, z. B. ZX-530. Eine Initialschmierung kann den Einlaufverschleiß reduzieren und die Lebensdauer verlängern. Für extreme Verfahrgeschwindigkeiten und höchste Positioniergenauigkeit können Wälzführungen weiterhin die bessere Wahl sein.
Umgebungsbedingungen
Die Einsatzumgebung hat einen entscheidenden Einfluss auf die Wahl von Werkstoff und Bauform. Hinsichtlich der Temperatur müssen die jeweiligen Einsatzgrenzen der ZEDEX® Typen beachtet werden: ZX-100K und ZX-530 decken ein breites Spektrum von etwa –100 °C bis rund +200 °C ab, während ZX-324V11T als PEEK-Werkstoff dauerhaft bis etwa +250 °C eingesetzt werden kann. Für Anwendungen in besonders aggressiven chemischen Umgebungen empfehlen sich vor allem ZX-530 und ZX-324V11T, da sie eine sehr hohe Beständigkeit gegenüber Emulsionen, Reinigungs- und Prozessmedien aufweisen. Wo Feuchtigkeit oder permanenter Wasserkontakt eine Rolle spielen, etwa in Reinigungsanlagen oder im Unterwasserbetrieb, zeigt sich ZX-100K äußerst stabil und beständig.
Auch mechanische Einflüsse wie Stöße und Vibrationen fließen in die Materialwahl ein. ZX-100K wirkt durch seine ausgeprägte Dämpfung positiv auf das Gesamtsystem und reduziert Schwingungen. ZX-324V11T kombiniert hingegen hohe Steifigkeit mit ausgeprägter Schlagzähigkeit und eignet sich dadurch für Anwendungen mit harten Schlägen oder dauerhafter Schwingbeanspruchung. Insgesamt gilt: Je besser die Umgebungsbedingungen berücksichtigt werden, desto länger bleibt die Rundführung maßhaltig, verschleißarm und prozesssicher im Einsatz.
Führungssäulen und Passung
Die Qualität der Führung hängt direkt von der Welle ab: Durchmesser, Werkstoff, Härte und Toleranz sollten auf die Buchse abgestimmt sein. Für präzise Führungen empfiehlt sich eine gehärtete, geschliffene Welle (z. B. h6/h7) in Kombination mit der passenden Buchsenbohrung, um geringes Spiel oder definierte Vorspannung einzustellen.
Offene Gehäuse (DKRO) lassen sich über Spannschrauben fein einstellen; die Gleitelemente legen sich vollflächig an, ohne zu klemmen. Bei parallelen Rundführungen ist auf gute Fluchtung und Ebenheit zu achten – kleinere Abweichungen können durch die Nachgiebigkeit der Kunststoffbuchsen und die offene Bauform teilweise ausgeglichen werden, ersetzen aber keine saubere Montage.
Bauform und Schnittstelle
Die konstruktive Einbindung bestimmt, welche Bauform sinnvoll ist:
- DKRF (mit Bund) für einfache, frontseitige Verschraubung an Gehäuseplatten.
- DKRO (offen) zum Einpressen oder Klemmen in Aufnahmebohrungen, mit Spielfeinjustage.
Für Retrofit-Anwendungen können Rundführungskörper mit maßlich passenden Anschlussbildern konstruiert werden, sodass bestehende Profilschienen oder Kugelbuchsen 1:1 ersetzt werden können – oft ganz ohne Änderungen an der Maschinenkonstruktion.
Rundführungen im Maschinenbau – typische Anwendungen
DEINHAMMER Rundführungen werden in vielen Branchen eingesetzt, in denen lineare Bewegungen sicher und wiederholgenau ablaufen müssen:
Werkzeugmaschinen
In Fräs-, Bohr- oder Drehanlagen dienen Rundführungen als Verstell- und Führungsachsen, zum Beispiel für Anschläge, Spannelemente oder Aggregate. Ein Praxisbeispiel zeigt eine Holzbearbeitungsmaschine, in der DEINHAMMER Rundführungen nach mehreren Jahren Zweischichtbetrieb weiterhin nahezu verschleißfrei laufen – mit prognostizierter Restlebensdauer im zweistelligen Jahresbereich.
Pressen und Umformtechnik
In Sintermetall- oder Pulverpressen führen Rundführungen Stößel und Werkzeuge präzise, selbst in staubiger Umgebung. Der Austausch von geschmierten Bronzebuchsen gegen trockenlaufende Rundführungen vermeidet, dass Pressstaub am Fett haften bleibt – Führung und Werkzeug bleiben sauber, der Wartungsaufwand sinkt.
Handling- und Automatisierungstechnik
Pick-and-Place-Einheiten, Linearmodule oder Portalsysteme nutzen Rundwellenführungen für flexible Verstellwege von Greifern oder Werkzeugträgern. Rundführungen punkten hier mit einfacher Montage, Toleranz gegenüber leichten Fluchtungsfehlern und einem sauberen Betrieb ohne austretendes Schmierfett – ein wichtiger Aspekt etwa in Verpackungs- und Förderanlagen.
Prüf- und Messtechnik
In Prüfanlagen, Laborgeräten oder Messmaschinen sorgen Rundführungen für gleichmäßige, ruckfreie Linearbewegungen über lange Einsatzzeiten. Die Kombination aus Trockenlauf, Dämpfung und minimalem Wartungsbedarf eignet sich besonders für Materialprüfstände, End-of-Line-Tester oder medizintechnische Geräte, in denen öl- und fettfreie Umgebungen gefordert sind.




