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Was sind technische Kunststoffe

Was sind technische Kunststoffe

Definition, Eigenschaften, Werkstoffwahl und Einsatz im Überblick

Technische Kunststoffe von DEINHAMMER verbinden hohe Festigkeit, Maßhaltigkeit und Temperaturbeständigkeit mit geringem Gewicht. Sie sind die ideale Wahl, wenn präzise Funktion und zuverlässige Performance unter wechselnden Bedingungen gefragt sind.

Hier möchten wir Ihnen einen Überblick über alle weiterführenden Informationsseiten zu den technischen Kunststoffen von DEINHAMMER geben.

Was sind technische Kunststoffe?

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Technische Kunststoffe – auch als Engineering-Kunststoffe oder Konstruktionswerkstoffe bezeichnet – sind thermoplastische Werkstoffe mit überdurchschnittlichen mechanischen, thermischen und tribologischen Eigenschaften. Sie bilden die mittlere Kategorie zwischen Standardkunststoffen wie PE, PP oder PVC und Hochleistungskunststoffen wie PEEK, PI oder PTFE. Ihr Einsatzspektrum reicht typischerweise von unter 0 °C bis deutlich über 100 °C – Bereiche, in denen viele Standardpolymere ihre Festigkeit bereits verlieren.

Im Vergleich zu Massenkunststoffen zeichnen sich technische Kunststoffe durch höhere Steifigkeit, Zähigkeit und Maßhaltigkeit aus. Sie behalten ihre Kennwerte auch bei wechselnden Temperaturen und Feuchtigkeit, was sie für präzise, dauerbelastete Komponenten im Maschinenbau prädestiniert. Eine normativ eindeutige Definition existiert nicht, die Einteilung nach Standard – technisch – hochleistungsfähig hat sich jedoch in Fachliteratur und Werkstoffpyramiden etabliert.

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Eigenschaften technischer Kunststoffe

Für jede Anwendung der richtige technische Kunststoff

Technische Kunststoffe zeichnen sich durch Festigkeit, Zähigkeit und Formstabilität aus. Trotz ihres geringen Gewichts erreichen sie beeindruckende mechanische Kennwerte: Zugfestigkeiten liegen meist im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen MPa-Bereich, die Schlagzähigkeit übertrifft deutlich die spröder Standardtypen. Unter Dauerlast zeigen viele Polymere jedoch ein gewisses Kriechverhalten – eine bleibende Verformung, die bei der Konstruktion berücksichtigt werden muss. Hygroskopische Werkstoffe wie Polyamid können mehrere Prozent Wasser aufnehmen und dadurch ihre Maße verändern, während POM, PEEK oder ZX-100 auch unter Feuchtigkeit nahezu formstabil bleiben.

Ein wesentliches Merkmal technischer Kunststoffe ist ihr tribologisches Verhalten, also das Zusammenspiel von Reibung, Schmierung und Verschleiß. Viele dieser Materialien wurden gezielt für Gleit- und Lageranwendungen entwickelt und weisen Reibungskoeffizienten zwischen 0,1 und 0,3 im Trockenlauf gegen Stahl auf. Maßgeblich für die Beurteilung ist der sogenannte pv-Wert – das Produkt aus Druck und Gleitgeschwindigkeit –, das die thermische Belastbarkeit einer Lagerstelle beschreibt. Durch ihre Eigenlubrikation besitzen zahlreiche technische Kunststoffe ausgeprägte Notlaufeigenschaften und bleiben auch bei kurzzeitiger Mangelschmierung funktionsfähig.

Auch die thermische Belastbarkeit zählt zu den wesentlichen Unterscheidungsmerkmalen. Die typische Dauergebrauchstemperatur liegt je nach Werkstofffamilie zwischen 100 °C und 150 °C, Hochleistungstypen erreichen 200 °C und mehr. Entscheidend sind Parameter wie Glasübergangstemperatur (Tg), Schmelzpunkt (Tm) und Wärmeformbeständigkeit, die gemeinsam die Einsatzgrenzen bestimmen. Viele technische Kunststoffe sind zudem flammhemmend – etwa erreicht unverstärktes PEEK die Klassifizierung UL 94 V-0 und einen Sauerstoffindex von etwa 35 %. Auch Werkstoffe wie ZX-410 oder ZX-530 verfügen über inhärenten Flammschutz und bleiben selbst bei hohen Temperaturen dimensionsstabil.

Typische Werkstoffe für technische Kunststoffe

Nach den Eigenschaften lassen sich technische Kunststoffe auch in verschiedene Werkstoffgruppen einteilen. Nachfolgend zeigen wir häufig verwendete Materialien, ihre charakteristischen Merkmale und typische Einsatzbereiche im Maschinen- und Anlagenbau.

    • Polyamid (PA, z. B. PA6 / PA66)
      Zäher, stoßfester Werkstoff mit guten Gleiteigenschaften und vielseitiger Verarbeitbarkeit. Durch seine Robustheit wird PA häufig in Lagerelementen, Zahnrädern, Gehäusen oder Gleitleisten eingesetzt – überall dort, wo mechanische Belastung und Beweglichkeit zusammentreffen.
    • Polyoxymethylen (POM / Acetal)
      Maßhaltiger, reibungsarmer und chemikalienbeständiger Kunststoff mit sehr geringer Feuchteaufnahme. POM eignet sich besonders für Präzisionsbauteile wie Buchsen, Zahnräder, Schieber oder Ventile, bei denen exakte Passungen und ruhiger Lauf entscheidend sind.
    • Polycarbonat (PC)
      Schlagzäh und wärmebeständig, zugleich formstabil und witterungsfest. PC wird häufig für Gehäuse, Abdeckungen oder Schutzteile verwendet, die Stößen und Vibrationen standhalten müssen – etwa in Geräten, Fahrzeugen oder Maschinenabdeckungen.
    • Polyethylenterephthalat (PET) / Polybutylenterephthalat (PBT)
      Sehr maßstabile Kunststoffe mit geringer Wasseraufnahme und glatter Oberfläche. PET und PBT kommen bevorzugt in Führungsleisten, Isolierschienen und Vorrichtungsteilen zum Einsatz, wenn präzise Passungen und verschleißarmes Gleiten gefordert sind.

Technische Kunststofftypen im Detail

Trapezgewindemutter-Kunststoff

Im Temperaturbereich bis etwa 110 °C deckt ZX-100 (in der Variante ZX-100K FDA-konform) viele Standardanwendungen ab: Der Werkstoff bleibt maßstabil, reagiert kaum auf Feuchtigkeit und eignet sich für Gleitlager und Buchsen, insbesondere in Lebensmittel- und Anlagenbau, wo Schmierfreiheit und präzises Spiel gefordert sind. Für höhere Anforderungen an Präzision folgt ZX-410 bis rund 180 °C: Mit sehr niedrigem Wärmeausdehnungskoeffizienten (in der Modifikation V7T annähernd auf Aluminium-Niveau), hoher Langzeit-Druckfestigkeit und sehr guten pv-Werten hält er das Lagerspiel auch bei Temperaturwechseln konstant und wird deshalb häufig für Spindelmuttern oder Führungen eingesetzt.

Wenn Temperaturbeständigkeit im Vordergrund steht, kommt ZX-530 ins Spiel. Der Werkstoff ist beständig bis etwa 240 °C, praktisch chemisch inert, flammhemmend (UL 94 V-0), FDA-konform und nahezu feuchteunempfindlich (< 0,01 % Wasseraufnahme). Damit eignet er sich für aggressive Medien, Reinraum- und Vakuumtechnik sowie Anwendungen mit hohen Hygieneanforderungen. Das obere Ende des Spektrums bildet ZX-324 als Hochleistungs-PEEK-System bis ca. 250 °C. Es verbindet hohe Duktilität mit sehr guter Zerspanbarkeit und steht in Varianten für unterschiedliche tribologische und mechanische Profile bereit: ZX-324V2T (PTFE-modifiziert) für besonders niedrige Reibung und ruhigen Lauf, ZX-324VMT (faserverstärkt) für höchste Lasten. Typische Einsatzfelder sind stark belastete Gleitführungen, Pumpen- und Ventilkomponenten sowie Bauteile, die gleichzeitig Temperatur-, Verschleiß- und Maßhaltungsanforderungen erfüllen müssen.

Worauf es bei technischen Kunststoffen ankommt

Kriterium Bedeutung für die Werkstoffwahl
Temperaturprofil Dauer- und Spitzentemperaturen prüfen; Sicherheitsabstände zu Tg (Glasübergang) und Tm (Schmelzpunkt) einplanen.
Mechanische Last / pv-Wert Druck × Gleitgeschwindigkeit bestimmt die thermische Belastung; hohe pv-Werte → tribologisch optimierte Werkstoffe wählen.
Medienkontakt Chemikalienbeständigkeit gegenüber Ölen, Reinigern, Prozessmedien prüfen. PEEK, PTFE, PPS gelten als sehr resistent.
Feuchteaufnahme PA bis ~6 % (Maßänderung), POM ~0,3 %, ZX-530 ≈ 0 % – wichtig für Präzisionspassungen.
Gegenlaufpartner Optimal für Gleitstellen: gehärteter Stahl ≥ 50 HRC, Oberflächenrauheit Rz ≈ 1–3 µm.
Toleranzen & CTE Thermische Ausdehnung/Schwindung berücksichtigen; ZX-410V7T mit CTE nahe Aluminium ermöglicht konstantes Lagerspiel.
Zulassungen Je nach Branche: FDA, EU 10/2011, UL 94 V-0, EN 45545 u. a.

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Typische Anwendungen im Maschinenbau

Im modernen Maschinen- und Anlagenbau haben sich technische Kunststoffe in zahlreichen Funktionsbereichen etabliert. Sie ersetzen Metallkomponenten dort, wo Korrosionsfreiheit, geringes Gewicht und selbstschmierende Eigenschaften gefragt sind. Typische Einsatzfelder sind Gleitlager, Buchsen, Spindelmuttern oder Führungsleisten, die ohne externe Schmierung arbeiten und dadurch wartungsarm bleiben.

In Gleit- und Lageranwendungen kommen häufig POM-, PA- oder ZX-100-Werkstoffe zum Einsatz, die sich durch gute Gleiteigenschaften und geringe Reibwerte auszeichnen. Führungsleisten und Gleitführungen aus Materialien wie ZX-410 oder ZX-530 sorgen in Verpackungs- und Werkzeugmaschinen für präzise, geräuscharme Bewegungen auch bei wechselnden Temperaturen. Spindelmuttern aus Hochleistungstypen wie PEEK oder ZX-324 werden in Trapezgewindetrieben und Linearsystemen eingesetzt, wo hohe Temperaturbeständigkeit und Verschleißfestigkeit gefordert sind.

Darüber hinaus finden technische Kunststoffe Anwendung in Zahnrädern, Ventilsitzen, Isolierschienen, Kupplungselementen oder Rollen. Sie dämpfen Schwingungen, reduzieren Laufgeräusche und bieten konstruktive Freiheiten, die mit Metall nur schwer zu erreichen wären. Praxisbeispiele reichen von ZX-324-Buchsen in Hydraulikanlagen bis zu ZX-100-Lagern in Lebensmittelabfüllsystemen – überall dort, wo Funktion und Zuverlässigkeit bei gleichzeitig geringem Wartungsaufwand im Vordergrund stehen.

Wissenswertes zu Kunststoffe

Für jede Anwendung der passende Kunststoff