Chemische Beständigkeit von Hochleistungskunststoffen
Bedeutung, Auswahlkriterien und Einsatz im Überblick
Schmierstoffe, Reiniger, Prozessmedien – Chemikalienkontakt ist im Maschinen- und Anlagenbau Alltag. Wird der Werkstoff falsch gewählt, drohen Quellung, Spannungsrisse, Festigkeitsverlust und Stillstände. Hochleistungskunststoffe bieten hier eine robuste Kombination aus chemischer Trägheit, Temperaturfestigkeit und tribologischen Vorteilen – vorausgesetzt, Medium, Konzentration, Temperatur und Einwirkdauer werden sauber bewertet.
Hier möchten wir Ihnen einen Überblick über alle weiterführenden Informationsseiten zu den Hochleistungskunststoffen von DEINHAMMER geben.
Was bedeutet „chemisch beständig“ bei Hochleistungskunststoffen?

„Beständig“ heißt: Ein Kunststoff behält seine Eigenschaften unter definiertem Medienkontakt weitgehend bei. In Tabellen findet man typische Kategorien: + (beständig), (+) (bedingt), – (unbeständig), x (löslich). Grundlage sind genormte Eintauchtests (z. B. 7/28 Tage) mit anschließender Bewertung von Masse- und Festigkeitsänderungen. Wichtig: Es gibt keine absolute Unangreifbarkeit – die Bewertung ist immer kontextabhängig.
Einflussfaktoren im Überblick
- Konzentration: Verdünnt ≙ weniger Angriff als hochkonzentriert.
- Temperatur: +10 °C beschleunigen Reaktionen oft stark; oberhalb Tg/Dauergebrauch nimmt Beständigkeit sprunghaft ab.
- Zeit & Strömung: Splash/Kurzzeit ≙ toleranter als Dauer; Umwälzung führt stetig frisches Medium zu.
- Verunreinigungen: Spuren (z. B. Chloride, Lösemittel) kippen Grenzfälle.
Werkstoffstruktur: Füllstoffe (Glas/Carbon) können das Eindringen fördern; hohe Kristallinität erhöht Resistenz; amorphe Typen sind spannungsrissempfindlicher → spannungsarme Auslegung.
Übersicht ZEDEX Hochleistungskunststoffe
Für jede Anwendung der passende Kunststoff
ZEDEX®-Werkstoffe im Chemie-Profil
ZX-530 – der Chemie-Spezialist (bis ~240 °C, kurz 260 °C): Chemisch auf PTFE-Niveau (nahezu inert gegen die meisten Medien), dabei mechanisch formstabiler als PTFE, geringe Kriechneigung, sehr gute Trockenlaufeigenschaften; FDA/EU 10/2011 verfügbar. Ideal bei aggressiven Lösemitteln, Säuren/Laugen, heißem Dampf.
ZX-324 – PEEK-basiert (bis ~250 °C, kurz 260 °C): Sehr breite Chemikalienbeständigkeit (Ausnahme: stark oxidierende Medien), hohe Steifigkeit/Verschleißfestigkeit. Varianten (z. B. V2T, VMT) für geringere Reibung oder maximale PV-Werte. Ebenfalls in FDA/EU-konformer Ausführung.
ZX-410 – der Präzise (bis ~180 °C, kurz 200 °C): Thermoplastische Legierung mit sehr geringer Wärmeausdehnung und hoher Maßhaltigkeit. Beständig gegen viele wässrige Medien (bis pH ≈ 9) und Alkohole; empfindlich gegen Ketone, chlorierte Kohlenwasserstoffe, starke Laugen sowie einzelne Öle. Hydrolysebeständig bis ~125 °C. Spannungsarm konstruieren!
ZX-100K – Allrounder (bis ~110 °C, kurz 140 °C): PET-basiert, tribologisch optimiert für Gleitlager; beständig gegen Kraftstoffe/Öle, schwache Säuren/Laugen; geringe Wasseraufnahme, KTW/FDA verfügbar. Nicht geeignet für starke Säuren/Laugen bzw. hohe Dauertemperaturen.
ZEDEX®-Werkstoffe je nach Mediengruppe
| Mediengruppe | Beispiele | Empfehlung (ZEDEX) | Hinweise |
|---|---|---|---|
| Kohlenwasserstoffe | Benzin, Diesel, Heiz-/Schmieröle, Mineralöle | ZX-530, ZX-324, ZX-100K: + ZX-410: meist ok |
Bei einzelnen Hydraulikölen kritisch → Öltyp/Additive prüfen. |
| Alkohole | Ethanol, Isopropanol, Methanol | Alle vier geeignet ZX-530/ZX-324: + |
Sehr gute Beständigkeit, i. d. R. ohne Einschränkung. |
| Verdünnte Säuren/Laugen | HCl verdünnt, H2SO4 verdünnt, NaOH verdünnt | ZX-530, ZX-324: meist + ZX-410: bis pH ≈ 9 + ZX-100K: nur schwach + |
Konzentration & Temperatur entscheidend; bei (+) Vorversuch. |
| Konzentrierte Oxidationsmittel | starke HNO3, Halogene, Peroxide | ZX-530, ZX-324: − (selbst PEEK/PTFE-Klasse betroffen) |
Alternative Werkstoffe/Auskleidung prüfen; Tests obligatorisch. |
| Heißwasser / Dampf | Prozesswasser, Dampf, CIP-Spülungen | ZX-530: + (bis ~140 °C) ZX-410: bis ~125 °C ZX-100K: bis ~80 °C |
pH und Temperatur beachten; Reserve zur Dauergrenze einplanen. |
Doppel-Kriterium Temperatur × Chemie
Die Medienwirkung ändert sich aufgrund der Temperatur nochmals deutlich – und nahe der Dauergebrauchsgrenzen kippt die Beständigkeit oft abrupt. Richtwerte für die chemische Auslegung unter Medium: ZX-530 ~240 °C, ZX-324 ~250 °C, ZX-410 ~180 °C, ZX-100K ~110 °C (jeweils kurzzeitig höher, aber nicht als Dauerbetrieb planen). Reserve einbauen, nicht am Limit fahren.
Auswahlleitfaden
- Medium klassifizieren: Öl/Kraftstoff → ZX-100K/ZX-530; polare Lösemittel → meist ZX-530; wässrig pH ≤ 9 → ZX-410/ZX-530; oxidativ → Spezialfall, Tests.
- Temperaturfenster definieren: > 180 °C → ZX-324/ZX-530; 110–180 °C → ZX-410/ZX-530 je nach Medium; ≤ 110 °C → ZX-100K, wenn Chemie moderat.
- Mechanik/Tribologie prüfen: Hohe pv-Werte/Last → ZX-324 (V2T/VMT) oder ZX-530; enge Toleranzen/geringe Ausdehnung → ZX-410.
- Bauweise & Spannungen: Amorphe Typen (z. B. ZX-410) spannungsarm auslegen (Radien, Bohrungsqualität, Montage). Füllstoffanteil vs. Chemie abwägen.
- Grenzfall? → Vorversuch: Bei Tabellenwert (+) oder nahe Dauergrenze immer Muster unter Realbedingungen testen.
Konstruktive Hinweise für den Chemikalienkontakt
Bei Bauteilen im Chemikalienkontakt gilt: spannungsarm konstruieren und Medien- wie Temperaturausdehnung von Anfang an mitdenken. Planen Sie Passungen und Lagerspiele so, dass sie auch bei aufgequollenem oder erwärmtem Werkstoff sicher funktionieren; bei starken Schwankungen sind geschlitzte oder geklebte Buchsen sinnvoll. Vermeiden Sie Kerben und scharfe Kanten (großzügige Radien, saubere Bohrungsqualität), denn eingebrachte Eigenspannungen begünstigen Spannungsrisse. Die Gegenlaufpartner sollten eine gleichmäßige, feine Oberfläche aufweisen – das reduziert Abrieb wie auch das Unterwandern durch Medien.
Konstruktiv sind Toträume, Sackbohrungen und Kapillarspalte zu vermeiden; wo sie unvermeidbar sind, Spül- und Drainagewege vorsehen, damit Reinigungs- oder Prozessmedien vollständig ablaufen können. Dichtungen, Klebstoffe und Schraubensicherungen müssen chemikalien- und temperaturbeständig zum Medium gewählt werden; Entlüftungen verhindern Druckaufbau durch Erwärmung.
Bei Gleitlagern bevorzugt im Trockenlauf auslegen: In aggressiven Medien können Schmierstoffe zersetzt oder ausgewaschen werden und als Kontaminationsquelle wirken. Nur bei sehr hohen pv-Werten eine gezielte, medienstabile Schmierung einsetzen und deren Nachschmierbarkeit sicherstellen. Schließlich: Prototypen unter realen Medien, Konzentrationen und Temperaturen testen und die Ergebnisse in Toleranzen, Spiele und Wartungsintervalle zurückspielen. So bleibt die Funktion auch langfristig prozesssicher.